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Christine Schindler
Suchtweiterbildung

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Psychoanalytische Ansätze
In psychoanalytischen Modellen wird die psychische Disposition des Klienten (z.B. Probleme in der Selbstwertregulation, narzisstische Kränkbarkeit) in den Mittelpunkt der Betrachtung von Rückfallprozessen gerückt.

Die psychoanalytischen Modelle der Sucht- und Rückfalldynamik erweisen sich heuristisch als ausgesprochen fruchtbar. Allerdings sind sie bisher keiner wissenschaftlich-empirischen Bewährung unterzogen

Im einzelnen lassen sich drei Modellansätze unterscheiden:

(1) Ich-psychologische Theorie des Rückfalls
Nach dieser Rückfallsicht wird der erneute Alkoholkonsum als Versuch der psychischen Selbstheilung betrachtet. Denn wie Wohlfarth (1992) feststellt, bedeutet Abstinenz für viele Abhängige "nicht nur die Erlösung von den quälenden Krankheitssymptomen der Sucht, sondern auch den schmerzhaften Verzicht auf eine Substanz, die eine wichtige Rolle bei der Regulierung von Affekten, der Abwehr von Kränkungen und der Aufrechterhaltung des Selbstwertgefühls gespielt hat."
Unter dieser Betrachtungsweise stellt Alkohol für viele Menschen eine nicht zu unterschätzende "Krücke" ("Ich-Substitut") in der Lebensbewältigung dar. Dies gilt beispielsweise für Personen, die unter Ängsten oder Depressionen leiden oder Menschen mit häufigen Stimmungsumbrüchen, schlecht kontrollierbarer Wut ("Borderline-Störung"; vgl. Wernado, 1993). Auch werden Kritik oder andere erlebte Kränkungen aufgrund einer hohen Kränkbarkeit ("narzisstische Störungen"; vgl. Wardetzki, 2000; Wohlfarth, 1992) häufig als Bedrohung des Selbstwertgefühls erlebt. Alkohol dient dann nicht selten als "Selbstwertregulativ" um diese Kränkungen besser ertragen und bewältigen zu können.

(2) Triebpsychologische Theorie des Rückfalls
Diese Theorie geht davon aus, dass es Personen mit stark reglementierenden Überich-Strukturen erst unter der enthemmenden Wirkung des Alkohols möglich wird, aufgestaute und im nüchternen Zustand tabuisierte und verdrängte Affekte und Impulse (z.B. Aggression oder sexuelle Impulse) auszuleben. Im Sinne der Affektregulation können Suchtmittel diese "unterdrückten" Affekte zur Entfaltung bringen ("Triebabfuhr") oder umgekehrt diese Affekte dämpfen und somit besser ertragbar machen ("Reiz-schutz"; Burian, 1994).

(3) Objektpsychologische Theorie des Rückfalls
Die objektpsychologische Rückfalltheorie bietet einen Erklärungsansatz vor allem für stark selbstdestruktive Rückfallverläufe, die häufig mit exzessivem Spirituosenkonsum und daraus entstehenden lebensbedrohlichen Zuständen sowie auch tödlichen Ausgängen verbunden sind. Nach diesem Modell sind Rückfälle Ausdruck stark autodestruktiver Tendenzen des Konsumenten und einer "fehlenden Erlaubnis zum Leben" (Rost, 1994). Es wird angenommen, dass bei diesem Personenkreis eine massive Beeinträchtigungen in der Entwicklung und daraus folgend keine ausreichende Identifikation mit dem Objekt einer nährenden, fürsorglichen, "guten Mutter" stattgefunden hat. Im exzessiven Alkoholkonsum wird sowohl das eigene Selbst wie auch indirekt die "böse Mutter" zu zerstören versucht wird. Derartige Entwicklungsdefizite sind häufig bei körperlicher und sexueller Gewalterfahrung, Ablehnung durch nahe stehende Bezugspersonen usw. zu beobachten.

Nach Körkel, J. & Schindler, C. (2003): Rückfallprävention mit Alkoholabhängigen. Das strukturierte Trainingsprogramm S.T.A.R. Berlin: Springer

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